Kupfer 1217, Radio 449 Text 03122017

Die Kunst und das Verbrechen

Dieser Tage berichtete die Presse, dass der Initiator und Eigentümer des größten und auch wichtigsten Privatparks für moderne Kunst, Inhotim bei Belo Horizonte, Steuerschulden von etwa 500 Millionen Reais hätte und der Behörde nun angeboten habe Kunstwerke im gleichen Wert dem Staat zu übergeben. Diese Schuld häufte sich in Jahrzehnten an und Bernardo Paz, der jahrelang als ein Modell von einem Kunstmäzen vorgestellt wurde, hat ganz einfach Steuern, Steuervergünstigungen und Subventionen des Staates, die für seine Minengeschäfte bestimmt waren, in seinen Kunstpark umgeleitet. Man kann nun Inhotim für eine großartige, gelungene Anlage halten, aber diesen Wert verliert das Projekt ganz schnell, wenn man erfährt, dass dazu Gelder verwendet wurden, die dann im Gesundheitswesen und der Erziehung fehlen.

Noch viel schlimmer ist der Fall des ehemaligen Bankiers Edemar Cid Ferreira, dem in São Paulo die Banco Santos gehörte, die bereits vor mehr als zehn Jahren geschlossen wurde. Dieser ehrenwerte Banker hat eine Kunstsammlung zusammengestellt, die zu den wichtigsten und umfangreichsten an moderner Gegenwartskunst in Brasilien zählte. Nur, er finanzierte sie nicht aus eigenem Vermögen, sondern zog das Geld von seinen gutgläubigen Kunden ab. Ein Teil dieser Kunstwerke wurde bereits sichergestellt und versteigert, ein weiterer Teil befindet sich immernoch in steuerfreien Depots auf der ganzen Welt und wird nun mühsam zusammengetragen werden. Sein Kunsttempel, den er noch kurz vor der Pleite an einem der schönsten Plätze in Morumbi erstellen ließ, soll derzeit versteigert werden und man hoffte dafür etwa 78 Millionen Reais zu erzielen, falls sich ein Interessent meldet. Doch in diesem Fall ist sowohl das Gebäude als auch die Kunstsammlung nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Schaden den das Bankhaus angerichtet hat wird auf 2 Milliarden geschätzt.

Dies sind nur zwei Einzelfälle, aber es ist interessant wie sich das Schöngeistige und das Verbrechen immer wieder zusammenfinden. Künstler sind ja besondere Menschen, die in einer anderen Welt leben, oft weit ab von der Realität und voll von ihren Ideen und Visionen besessen sind. Ihre Werke können dann Liebhaber finden und durch einen ebenfalls recht undurchsichtigen Markt Werte von Millionen erlangen. Von denen die Hersteller wenig haben. Deshalb muss man wohl anerkennen, dass die Zwischenhändler und Marktbeeinflusser ebenfalls Künstler sind, denn es gelingt ihnen oft ein Werk von geringen Wert in kurzer Zeit zu einem Millionenobjekt hochzuschrauben. Dann treten die obigen Herren auf den Plan, die den Staat oder den Bankkunden übers Ohr gehauen haben und legen dieses zu Unrecht erlangte Vermögen in schöner Kunst an. So wird aus einem Kriminellen ein Kunstmäzen und die Justiz benötigt lange um dahinter zu kommen. Immerhin soll Bernardo Paz aus Inhotim für neun Jahre ins Gefängnis, aber Cid Ferreira bewegt sich immernoch frei und unbehelligt. Schließlich sind sie doch alle Ästheten.